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Berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit

Berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit im Krankenhaus einführen am Beispiel Entlassmanagement    

Die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit im Krankenhaus neu zu organisieren, ist einerseits eine Herausforderung, andererseits schlicht eine spannende und sehr sinnvolle Aufgabe. Ihre Bedeutung nimmt durch steigende Qualitäts- und Effizienzanforderungen zu. Das Einführen eines Entlassmanagement ist dafür ein gutes Beispiel, denn bereits die Projektarbeit ist berufsgruppenübergreifend und im klinischen Alltag bietet es ein festes ‚Setting‘ für dauerhafte interprofessionelle Zusammenarbeit im Krankenhaus.

Der Blog ist zweiteilig. Am Beispiel des Entlassmanagement geht

  • der erste Teil auf die Herausforderungen und Ansätze in der Projektarbeit ein,
  • der zweite Teil auf die Kennzeichen einer guten Lösung und deren Nutzen ein.

Teil 1 Herausforderungen und Ansätze in der Projektarbeit bei Entwicklung eines neuen Entlassmanagement-Prozesses

Warum ist das Entlassmanagement so gut als Beispiel für eine berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit im Krankenhaus geeignet? 

  • Beim Entlassmanagement arbeiten Mitarbeiter mehrerer Berufsgruppen auf ein gemeinsames Ziel hin: die bestmöglich vorbereitete Entlassung des Patienten. Damit sollen primär Informationsdefizite und Versorgungslücken für den Patienten vermieden werden.
  • Je nachdem, wie Krankenhäuser den Prozess der Einbestellung und Entlassung organisieren, sind die Mitarbeiter von der Einbestellung/den Chefarztsekretariaten, der Patientenaufnahme, dem Pflegedienst, dem Arztdienst und dem Sozialdienst daran beteiligt.
  • Zudem bietet das Entlassmanagement, vor allem wenn es IT-untertützt ist, ein festes Setting und Instrumente, wie IT-Unterstützung, für ein dauerhaft erfolgreiches Implementieren der interprofessionellen Zusammenarbeit.

Welche Herausforderungen liegen in der interprofessionellen Zusammenarbeit im Entlassmanagement im Krankenhaus?

  • Mitarbeiter aller beteiligten Berufsgruppen nutzen verschiedene Informationsquellen und haben jeweils andere Informationsbedarfe. Überdies achten manche Berufsgruppen auf die Möglichkeit der Validierung von Daten.
  • Zudem führen unterschiedliche Arbeitszeiten und Schichtrhythmen der Berufsgruppen zum asymmetrischen Bearbeiten von Daten und Aufgaben. Aus diesem Grund sind Rückfragen untereinander oftmals erschwert oder gar nicht möglich.
  • Oft nutzen die beteiligten Berufsgruppen unterschiedliche IT-Systeme oder verschiedene Module im selben IT-System.
  • Verschiedene Berufsgruppen schätzen die Relevanz von Aufgaben oder zu verarbeitender Daten unterschiedlich ein.
  • Die Verteilung von neuen Aufgaben wird initial im Projektteam abgestimmt. Das gilt auch für Fristen zu deren Erledigung. Wenn sich Aufgaben stark verändern, oder ein Mehraufwand zu erwarten ist, sind mindestens noch die direkten Vorgesetzen einzubinden. Manchmal ist sogar die Geschäftsführung oder der Vorstand hinzu zu ziehen.
  • Bereits vorhandene Machtkämpfe und Konkurrenzmuster können im Projekt zum Vorschein kommen. Allerdings ist dies ein Thema eines anderen Blogs. Nähere Informationen dazu finden Sie im Blog: Was tun, wenn neue Prozesse nicht gelebt werden.

Was ist für die Projektarbeit wichtig, um adäquate Lösungen für die interprofessionelle Zusammenarbeit im Krankenhaus zu entwickeln?

  • Die wichtigste Regel lautet: Vertreter aller beteiligten Berufsgruppen arbeiten von Anfang an gemeinsam an der Lösung. Denn nur so werden die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt und die Augenhöhe gewahrt.
  • Gibt es mehrere Kliniken und Einbestellungen/Sekretariate, sollte davon jeweils ein Vertreter dem Projektteam angehören. Schließlich soll die Lösung für das gesamte Haus umsetzbar sein.
  • Aus diesem Grund entstehen größere Arbeitsgruppen mit entsprechendem Zeitaufwand: Workshop-Zeit x Zahl der Anwesenden. So kommen schnell mehrere Arbeitsstunden pro Workshop zusammen. Daher ist auf die Effizienz durch bestmögliche Vor- und Nachbereitung zu achten.
  • Übrigens ist es wichtig, Mitarbeiter der IT-Abteilung von Anfang an einzubinden. Kaum ein berufsgruppenübergreifender Arbeitsprozess wird ohne Unterstützung durch ein IT-System auskommen.
  • Dabei können die Mitarbeiter der IT ebenfalls Ideen beisteuern und Aussagen zur technischen Umsetzbarkeit und zum jeweiligen Aufwand der verschiedenen Lösungsideen machen.
  • Nach einer Studie der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften und dem Unternehmen ‚College M‘, besprochen im Ärzteblatt vom 30.01.2017 (siehe unten stehenden Link), benötigt die dauerhafte interprofessionelle Zusammenarbeit, die nicht temporär oder projekthaft ausgeprägt ist, ein festes Setting, sowie feste Anlässe und Instrumente.

Welche methodischen Ansätze kommen in Frage, um einen neuen Prozess mit berufsgruppenübergreifender Zusammenarbeit im Krankenhaus zu gestalten?

Systems Engineering Methode  

Diese von Prof. R. Haberfellner und Prof. W. Daenzer stammende, mittlerweile klassische Methode bietet eine logische und für alle Beteiligten nachvollziehbare Projektstruktur. Hierdurch lassen sich auch komplexe Vorhaben lösungsgerecht und effizient abwickeln. Allerdings ist diese Methode vor allem für eher technisch orientierte Projekte geeignet. Die wichtigsten Projektphasen dieser Methode sind die Analyse (Verstehen), Problemdefinition, Zieldefinition, Soll-Konzept-Entwicklung und Umsetzung.

Appreciate Inquiry (AI) 

Im Vergleich dazu bietet diese Methode einen völlig anderen Ansatz, der gerade bei interprofessionellen Projektteams gut greift. Hier steht nicht vor allem die technische Lösung im Vordergrund, sondern es geht auch um die Weiterentwicklung von Verhaltensweisen, Einstellungen oder Leistungen. Statt auf Problemorientierung setzt diese Methode auf die Ressourcen und die Erfahrungen der Projektbeteiligten, mit der Fragestellung: was hat in der Vergangenheit bereits gut funktioniert, und welche Rahmenbedingungen haben dies ermöglicht? Die Projektstruktur ist auch mit dieser Methode sehr gut nachvollziehbar: die wichtigsten Projektphasen von AI sind Discovery (Erkunden und Verstehen), Dream (Visionieren), Design (Gestalten), Destiny (Umsetzen).

 

Viel Erfolg beim Einführen von berufsgruppenübergreifender Zusammenarbeit. Ich freue mich über ihr Feedback.

Ihre Heike Sander

 

Teil 2 Herausforderungen und Ansätze in der Projektarbeit bei der Entwicklung eines neuen berufsgruppenübergreifenden Prozesses, am Beispiel Entlassmanagement finden Sie hier.

Mehr zur Stärkung von beruflichen Beziehungen finden Sie hier. Ein entsprechendes Seminarangebot finden Sie hier.

Nähere Informationen zur Optimierung von Strukturen und Prozesse finden Sie hier.

Den Artikel aus dem Ärzteblatt vom 30.01.2017: ‚Wie interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen gelingen kann‘ finden Sie hier.

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