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Nutzereinbindung im Krankenhausbau: Immer ein 'Wünsch Dir was'?

Nutzereinbindung im Krankenhausbau: Immer ein ‚Wünsch Dir was’?  

Wie wichtig die Nutzereinbindung im Krankenhausbau ist, woran man die Häuser erkennt, bei denen das nicht berücksichtigt wurde, und wie man die Nutzer sehr gut einbinden kann, beschreibt dieser Beitrag.

Um welche Nutzer geht es bei der Nutzereinbindung im Krankenhausbau?

Bei den Nutzern handelt es sich um Vertreter aller relevanten Berufsgruppen,

  • die im umgebauten oder neu gebauten Haus zukünftig arbeiten werden,
  • spezifische berufsgruppenbedingte Anforderungen an die Gestaltung haben,
  • wesentliche Anteile an den Arbeitsprozessen im Gebäude haben.

Welche Vorteile hat die Nutzereinbindung im Krankenhausbau?

Andersherum gefragt: woran ist ein Krankenhaus zu erkennen, bei dessen Planung und Realisierung die Nutzer überhaupt nicht, zu spät oder nicht strukturiert genug eingebunden waren (Beispiele aus der Praxis):

  • An den schlecht funktionierenden Abläufen mit Umwegen (Beispielsweise die zu enge und nicht bettengängige Tür zwischen OP/Aufwachraum und Intensivstation, so dass man mit dem Patienten im Bett einen größeren Weg zurücklegen muss).
  • Daran, dass Aufgaben nicht oder nur eingeschränkt ausgeführt werden können, und dass Mehrarbeit anfällt (zum Beispiel vergessene Lager-, Abfall- oder Putzmittelbereiche auf den Stationen).
  • Dass aufgrund der räumlichen Struktur mehr Personal benötigt wird (zum Beispiel werden zwei Pflegekräfte bei zwei auseinanderliegenden Ultraschall-Räumen benötigt, während eine Pflegekraft zwei direkt nebeneinanderliegende Räume betreuen kann).
  • Dass wenig Übersichtlichkeit herrscht und Mitarbeiter zusätzliche Zeit verbringen, den Überblick zu behalten (beispielsweise wenn der Empfang einer Notaufnahme und der Pflegestützpunkt außerhalb dieser lokalisiert sind oder sich auf einer Station in Randlage befinden, so dass die Mitarbeiter den Platz häufig verlassen müssen, um ‚eine Runde zu drehen’ und dabei auch noch Patienten zu schaden kommen könnten, die bei Problemen zu lange unversorgt bleiben).

Die Vorteile liegen klar auf der Hand:

  • Gut funktionierende Prozesse in den dafür geeigneten Räumen,
  • Zeitersparnis,
  • Geringerer Personaleinsatz,
  • Kein gebäudebedingter Informationsverlust,
  • weniger Risiken für Patienten und Mitarbeiter,
  • und so weiter.

 Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Nutzereinbindung im Krankenhausbau?

Nutzer sollten am besten bereits bei der operativen Masterplanung einbezogen werden. Unter diesem Begriff lässt sich Verschiedenes verstehen. Gemeint ist hier die Planung eines konkreten Neu- oder Umbauvorhabens zur Umsetzung von Vorgaben aus dem Strategischen Masterplan, also der strategischen Planung. Dabei beziehe ich mich auf die ersten Ergebnisse meiner laufenden Doktorarbeit zu den Qualitätsfaktoren der Krankenhausbauplanung.

Zur Operativen Masterplanung gehören:

  • eine Ist-Analyse, sofern ein Bestandgebäude oder Bestandsräume vorhanden sind,
  • das Soll-Konzept mit den Anforderungen der Nutzer an die bauliche Gestaltung, gegebenenfalls in verschiedenen Szenarien,
  • Soll-Ist-Vergleich und Zielplanung.

Dabei geht es nicht nur darum, die Nutzer frühzeitig einzubinden, damit man nicht an ihrem Bedarf vorbei plant, sondern sie bei allen weiteren Planungsabschnitten einzubinden, bei denen es um

  • Vorplanung,
  • Entwurfsplanung,
  • teilweise die Ausführungsplanung,
  • Realisierung des Neu- oder Umbaus und
  • die Inbetriebnahme geht.

Nur so ist gewährleistet, dass man zwar anfangs die Anforderungen erarbeitet, dieses Wissen jedoch im weiteren Planungsverlauf ganz oder teilweise verloren geht.

Wie kann man ein ‚Wünsch Dir was’ bei Nutzereinbindung im Krankenhausbau vermeiden?

Immer wieder höre ich zum Thema Nutzereinbindung, dass dies zu einem ‚Wünsch-Dir-Was’ der Nutzer führen könnte. Damit ist gemeint, dass deren Anforderungen über das Ziel hinausschießen würden. Wie man es zum Beispiel beim Wunsch nach einem Extra-Outdoor-Swimming-Pool für die sommerlichen Pausenzeiten der Mitarbeiter annehmen könnte.

Darunter verbirgt sich die Einstellung, dass die von Nutzern genannten Anforderungen unreflektiert sein, nicht am Arbeitsprozess und dem tatsächlichen Bedarf orientiert, teilweise mit Statusgedanken unterlegt sein, und nicht geprüft verarbeitet würden. Dem ist jedoch aus meiner Erfahrung nicht so.

Wenn der Strategische Masterplan fundiert, vollständig, klar und aktuell genug ist, bildet er die Leitplanken der Operativen Masterplanung. Zudem kann man mit den Nutzern spielerisch erarbeiten, ob die genannten Anforderungen

  • den Betrieb überhaupt erst ermöglichen würden,
  • Betriebsbehinderungen vermeiden würden,
  • einen effizienten Betrieb durch effiziente Prozesse gut unterstützen würden,
  • einfach ein ‚Nice-to-have’ wären.

Und natürlich sind Plausibilitäts-Überlegungen und -Kalkulationen immer sinnvoll.

 

Viel Erfolg und Spaß beim Einbeziehen der Nutzer in die Krankenhausplanung. Ich freue mich über ihr Feedback.

Ihre Heike Sander

Nähere Infos zum Entwickeln von gesunden Strukturen und Prozessen finden Sie hier.

Nähere Infos zu Managementunterstützung bei der Krankenhausbauplanung finden Sie hier.

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