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Emotionen im Krankenhaus als Vulkan

Was haben Vulkane, Emotionen im Krankenhaus und professionelle Distanz gemein?

Emotionen, gute genauso wie schlechte, sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Menschseins. Sie gehören zum Leben und lassen überhaupt erst menschliche Begegnungen mit all der Empathie und Mitgefühl zu. Die professionelle Distanz zu Patienten, Kollegen und Vorgesetzten und unsere emotionalen Verdrängungsmechanismen führen zu einem ungesunden Umgang mit Emotionen im Krankenhaus. Wie können wir gesünder für alle Beteiligten mit unseren Emotionen umgehen, um nicht zu einem schlafenden Vulkan zu werden?

Wie gehen wir im beruflichen Alltag im Krankenhaus unter dem Postulat „professionelle Distanz“ mit negativen Emotionen  um?

Im beruflichen Arbeitsalltag scheinen negative Emotionen und der Umgang mit ihnen für Viele etwas Unberechenbares zu haben, im Arbeitsprozess zumindest etwas Störendes zu sein.

Negative Emotionen werden von den Betroffenen und ihrem Umfeld oft gleichgesetzt mit Versagen, fehlender Resilienz, Überforderung und mangelnder Teamfähigkeit (die anderen im Stich lassen, wenn sie nicht 100%ig einsatzfähig sind…). Zudem zeigen Vorgesetzte im Umgang mit Emotionen oft wenig Verständnis und Offenheit.

Betroffene, die negative Emotionen empfinden, tun dann alles, damit negative Emotionen im Außen unsichtbar bleiben. Sie bedienen sich eines Verdrängungsmechanismus, der dem seelischen Gleichgewicht erheblich schadet. So entsteht eine trügerische Ruhe, verglichen mit einem schlafenden Vulkan. Leugnen und Wegdrücken von negativen Emotionen entfaltet eine Wirkung, wie ein im Inneren unter einem enormen Druck stehender Vulkan. Betroffene versuchen, noch den Schlot und andere potentielle Austrittsöffnungen für Entladungen zu verstopfen, und so eine Eruption zu verhindern.

Das ist eine allzu menschliche Reaktion, doch ist sie zielführend?

Warum sind Emotionen im Krankenhaus und professionelle Distanz so wichtige Themen?

Negative Emotionen sind in helfenden Berufen, zum Beispiel bei Ärzten, Pflegekräften oder Therapeuten, mit vielen Ängsten und Befürchtungen behaftet. Im Krankenhaus tätige Menschen werden im Umgang mit kranken Menschen mit ihrer eigenen Endlichkeit konfrontiert. Und wenn einem Patienten nicht mehr geholfen werden konnte, kommt auch noch die Konfrontation mit den Grenzen des eigenen Könnens hinzu. Das bringt viele natürliche Emotionen mit sich, die nicht immer angenehm sind.

Allgemein heißt es, dass wir im Umgang mit Patienten und auch mit den Kollegen und Vorgesetzten, so etwas wie eine ‚professionelle Distanz’ bewahren sollten.

Die professionelle Distanz soll vermeiden, dass:

  • Mitarbeitende den professionellen Überblick verlieren,
  • dass sie sich in den Problemen der Patienten, Kollegen und Vorgesetzten verstricken,
  • dass die Emotionen, würden sie einmal zugelassen, einer Flut gleichkämen, in der man nur untergehen kann, und sie einen arbeitsunfähig machen würden,
  • kurzum: dass neben dem hohen persönlichen Einsatz noch eine emotionale Überlastung der Mitarbeitenden eintritt.

Zudem scheint es schwierig, in Arbeitssituationen mit enger Taktung von Aufgaben, Personalknappheit, bedrängenden Dokumentationspflichten und immer kürzerer Verweildauer der Patienten, sich auch noch dem Thema Emotionen zu öffnen, und zusätzlich noch mitfühlend mit den Patienten, Kollegen und Vorgesetzten zu sein.

Aber wirkt diese Haltung im Umgang mit Patienten im Klinikalltag, dort wo am meisten Empathie mit teilweise schwerstkranken Patienten wünschenswert wäre, und wo eine den beiden Seiten dienliche Beziehung aufgebaut werden soll, nicht eher widersprüchlich?

Professionelle Distanz oder Verantwortung für unsere Emotionen im Krankenhaus?

Wer sich intensiver mit seinen Emotionen und überhaupt Emotionen als Thema befasst, stellt fest, dass uns kein Umstand und keine Person irgendwelche negativen oder positiven Emotionen aufoktroyieren kann.

Emotionen sind in uns und wir spüren sie. Damit sind sie Ausdruck unserer eigenen seelischen Prozesse. Sie basieren auf unseren eigenen freien Entscheidungen, die wir in Sekundenbruchteilen als Reaktion auf äußere Reize treffen.

Dabei sind die äußeren Anlässe, die zu unseren Emotionen führen, lediglich die Trigger. Mehr nicht. Weder die Anlässe, noch die damit in Verbindung stehenden Personen sind für unsere emotionale Reaktion auf diese Trigger verantwortlich.

Was passiert, wenn wir durch professionelle Distanz unsere Emotionen im Krankenhaus unterdrücken?

Wenn wir anfangen, uns gegen schmerzliche Gefühle zu wehren, dann lösen wir sie nicht auf, sondern wir vergraben sie tief in uns, und werden zum schlafenden Vulkan. Solange, bis eines Tages unser Vulkan spontan ausbricht, und wir Unbeteiligte, seien es Kollegen oder Patienten, nichtsahnend und mit voller Wucht mit all unserem Schmerz, unserer Wut, unserer Angst und unserer Trauer konfrontieren. Bis dahin haben wir selbst allerdings schon seelisch gelitten und auch unserer physischen Gesundheit geschadet.

Emotionen sind niemals diskret. Schon garnicht unterdrückte Emotionen. Wir meinen zwar, wir würden es bei einer Unterdrückung von Emotionen für uns und unser Umfeld sicherer machen. Aber das ist leider ein Trugschluss. Auch unterdrückte Emotionen wirken und unser Umfeld nimmt sie wahr. Gerade empfindsame Menschen spüren diese Emotionen sehr stark, auch wenn wie sie nicht immer zuordnen können.

Eigentlich gehört zum Lebensfluss, dass unsere Gefühle in ungefährlichen Bahnen frei fließen können. Zum Beispiel als stetiger Lavastrom, größtenteils vorbei an allen Häusern und Menschen, ins Meer, ohne jemanden zu schädigen. So passiert es in bestimmten Regionen gerade wieder mal auf Big Island/Hawaii. Und nicht eruptiv, wie es bei machen gefährlichen Vulkanen auf der Welt der Fall ist, wo ein ganzer Gipfel weggesprengt wird. Wobei der Lavafluss und heiße, tödliche Asche- und Gaswolken vieles Schützenswerte unter sich begräbt.

Was können Arbeitgeber und Mitarbeiter selbst tun?

Als sehr gute Voraussetzungen, um auf mögliche Überlastung im Vorfeld positiv einzuwirken, werden allgemein genannt: ein gutes Betriebsklima, gute Personalausstattung und Personalauswahl, optimale Arbeitsprozesse, Entlastung in den Dokumentationspflichten, keine oder sehr geringe Medienbrüche, psychologische Supervision, Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung und eine gute Bezahlung.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, was kann sich jeder selbst für sein seelisches Wohlbefinden Gutes tun? Denn die negativen Emotionen sind da, ob wir es wollen oder nicht. Wie können wir dafür sorgen, dass wir unseren Umgang mit uns selbst, mit den Patienten, Kollegen und Vorgesetzten liebevoll und wertschätzend gestalten?

Wie können wir mit Emotionen umgehen im Krankenhaus ohne uns in professionelle Distanz flüchten zu müssen?

Unsere Seele wird solange nach „Triggern“ im Berufs-Alltag suchen bis all das Vergrabene und Schmerzhafte sichtbar wird, damit es geheilt werden kann.

In diesem Zusammenhang negative Emotionen als Teil eines Verdrängungsmechanismus zu unterdrücken, ist schlecht für den Betroffen und das unmittelbare Arbeitsumfeld. Der richtige Weg ist das Nicht-Wegdrücken. Dabei geht es nicht um ein Ausleben oder Ausagieren der Emotionen, zum Beispiel in Form eines Wutanfalls.

Die Entwicklung zur emotionale Reife verlangt, dass wir für unsere in uns aufsteigenden negativen Emotionen die volle Verantwortung übernehmen. Die Emotionen einfach da sein lassen und sie fühlen. Wir durchfühlen sie, bis sie beendet sind. In der Regel dauert das nicht länger als einige Minuten. Anfangs benötigen wir dafür vielleicht etwas Mut und einen geschützten Raum. Vielleicht verlegen wir es auf die Zeit nach der Arbeit. Allerdings gelingt es uns mit etwas Übung, auch im Arbeitsalltag quasi im Hintergrund unseres Aufgaben Erledigens Emotionen durchfühlen zu können, ohne die Aufgaben unterbrechen zu müssen.

Und wer sich dabei eher unterstützt fühlt, dies erst einmal in einem geschützten Rahmen unter „Anleitung“ mit Gleichgesinnten zu tun und zu üben, damit es sich verfestigen kann, findet in den unten angegebenen Links nützliche Informationen dazu.

Über Ihre Feedbacks und Kommentare freue ich mich.

Ihr Donat Wollny

 

Unterstützung im Emotionalen Selbstmanagement finden Sie hier.

Einen geschützten Rahmen zum Üben unter Anleitung, mit den Emotionen umzugehen finden Sie hier.

Einen Erlebnisabend in Berlin zum Thema Dissoziieren oder das Herz öffnen, finden Sie hier.

 

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