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Gute Teamarbeit im Krankenhaus

Wie entsteht erfolgreiche Teamarbeit im Krankenhaus  

Woran ist ein echter Teamgeist zu erkennen? Und worauf basiert eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Team? Beziehungsweise, wie lässt sich Teamarbeit im Krankenhaus verbessern?

Was macht gute Teamarbeit im Krankenhaus so wichtig?

Ein eingespieltes Team ist neben der fachlichen Qualifikation und der Infrastruktur eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Patientenbehandlung. Davon kann sogar das Leben von Patienten abhängen. Wir denken dabei eigentlich immer zuerst an die Narkose während der OP oder an die Patientenversorgung im Schockraum der Notaufnahme. Allerdings betrifft dieses Thema auch alle anderen Bereiche, in denen die offene Kommunikation im Team dafür sorgt, dass Veränderungen bei Patienten frühzeitig bemerkt werden. So dass beispielsweise durch gute Kommunikation zwischen Pflegekräften und Ärzten ein Trend zur Verschlechterungen eines Patienten frühzeitig erkannt wird, und damit der Weg frei ist, dem Trend entgegen zu wirken.

Zudem wirken sich die auf guter Kommunikation basierenden guten sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz positiv auf die Effektivität und Effizienz in den Arbeitsprozessen aus. Das ist gerade für die unter dem oft zitierten Kostendruck stehenden und sich in finanziell angespannter Situation befindenden Krankenhäuser wirtschaftlich relevant.

Woran liegt es, dass sich die Qualität „Teamarbeit“ im Krankenhaus in verschiedenen Teams so unterscheidet?

Warum gelingt einzelnen Teams das Bewältigen ihrer täglichen Arbeit einfach besser als anderen, wenn die organisatorischen, fachlichen und infrastrukturellen Aspekte vergleichbar sind?

Eine Erklärung könnte sein, dass einzelne Teams über einen hohen Grad an sozialer Kompetenz verfügen, und andere Teams diese Fähigkeiten noch nicht so stark entwickelt haben. Das soll hier näher untersucht werden.

Soziale Kompetenz ist Voraussetzung für die Teamarbeit im Krankenhaus

Ein mit sozialer Kompetenz eng verwandter Begriff ist die soziale Intelligenz. Nach Daniel Goleman (siehe unten) würden wir in diesem Zusammenhang von einem höheren Gruppen-IQ sprechen. Er gibt Auskunft über das „…Ausmaß, in dem die Mitglieder fähig sind, einen Zustand innerer Harmonie zu erzeugen, der ihnen erlaubt, sich das ganze Talent der übrigen Mitglieder zunutze zu machen“.

Die von Goleman genannte Harmonie bedeutet aber nicht, dass die Gruppe führerlos ist und ihre Mitglieder nicht mehr kontrovers diskutieren. Im Gegenteil, Führung und Diskussionen sind sogar notwendig für das Gelingen der Zusammenarbeit. Wobei dazu noch ein Gefühl tiefer Verbundenheit und des Vertrauens herrschen sollte.

Was ist denn im Team passiert, wenn die Teamarbeit im Krankenhaus nicht gut läuft?

In Gruppen mit hohen Reibungsverlusten durch Konkurrenz, Machtkampf, (Vor-)Urteilen, Angst und Wut als Ausdruck von emotionalen und sozialen Spannungen, ist das harmonische Miteinander gestört. Die Mitarbeiter arbeiten jeder für sich selbst nebeneinander her, und versuchen so auch die Herausforderungen und Probleme alleine zu bewältigen. Dadurch können sich das wichtige (Ur-)Vertrauen und eine den einzelnen Mitarbeiter in stressigen Situationen entlastende Verbundenheit nicht entfalten.

Nach Dr. Chuck Spezzano wird diese Phase in der Evolution von Beziehungen ‚Tote Zone’ genannt, weil sich das Arbeiten (oder Leben) in diesem emotionalen und sozialen Zustand einfach wie tot anfühlt. Und weil viele Unternehmen, Krankenhäuser, Teams oder auch Familien zeitlebens in dieser Entwicklungsphase stecken bleiben, und dort auch versterben, ohne sie zu durchschreiten, was dem natürlichen Entwicklungsprozess entsprechen würde.

Den einzelnen Teammitgliedern gelingt es in diesem Umfeld nicht, ihre Talente zu entfalten. Ihre kreativen Fähigkeiten können nicht vollends zum Wachstum der Mitarbeiter und zum Wohle der Patienten und Nutzen des Unternehmens eingesetzt werden.

Wie kommt man aus der Talsohle wieder heraus und schliesslich zu guter Teamarbeit im Krankenhaus?  

Nach Chuck Spezzano (siehe unten) ist das Aufgeben der emotionalen Unabhängigkeit jedes einzelnen Teammitgliedes die wichtigste Voraussetzung zum Durchschreiten der oben genannten Toten Zone. Dazu gehört, in emotionale Verbindung mit den Teamkollegen zu gehen. Und auch das Vertrauen in die Tragfähigkeit der Beziehungen im Team in schwierige und stressige Situationen zu entwickeln.

Zusätzlich zu Verbundenheit und (Ur-)Vertrauen, nach dem Motto: „uns kann nichts passieren“, nennt Boris Gloger (siehe unten) weitere Werte als Voraussetzung für ein gutes Gruppen-Mindset, wie:

  • Einander helfen
  • Denken ist erlaubt
  • Jeder Einzelne ist für den anderen da
  • Herausforderungen annehmen
  • Stabilität – eine Zentriertheit
  • Positive Einstellung – jeden Tag Eigeninitiative leben

Zudem benötigt Teamarbeit strukturell etablierte Möglichkeiten des Austauschs im Team. Dabei sollte es vor allem um Selbstreflektion und das Miteinander gehen. Und jeder Mitarbeiter sollte sich allen mitteilen dürfen, unabhängig von der Berufsgruppe oder der hierarchischen Einbindung im Krankenhaus oder Team. Also sollte auch beispielsweise ein Pfleger einer Oberärztin ein Feedback geben dürfen, wenn dies sich nicht adäquat verhalten hat.

So sind wichtige Voraussetzungen geschaffen, damit Teamgeist entsteht und eine Gruppe mit einer gemeinsamen Einstellung von Geist und Herz arbeitet, so Chuck Spezzano (siehe unten). Dann halten Empathie, Fürsorge und tiefe Gefühle der Verbundenheit im Team Einzug.

So etwas ergibt sich oft nicht von alleine. Nicht nur Führungskräfte oder Trainer, sondern jeder Einzelne ist aufgerufen etwas beizutragen.

Was kann der Einzelne zur guten Teamarbeit im Krankenhaus beitragen?

Über die eigenen sozialen Kompetenzen und deren noch nicht voll entwickelte Potentiale Klarheit zu gewinnen, sowie die direkten und indirekten bestimmenden Faktoren sozialer Kompetenz, ist schon einmal eine wichtige Grundlage.

Zudem braucht es, um Teil von einem wahren Team zu sein, bei jedem Teammitglied ein weiter entwickeltes Bewusstsein. Das kann jeder erreichen, der sämtliche Urteile, Haltungen, auch die zum Teil tief vergrabenen Glaubenssätze, Gedanken und Überzeugungen, sowie Wertvorstellungen und Einstellungen auf den Prüfstand stellt und sich in den erforderlichen Punkten anders entscheidet. Damit diese Hemmschuhe nicht mehr das Denken, Fühlen und letztlich das Verhalten beeinflussen oder sogar diktieren.

Beim täglichen Treffen von bewussten Entscheidungen hilft:

  • Urteile über Personen oder Situationen aufzuheben,
  • sich die Chance zu geben, die Perspektive des Kollegen wirklich zu verstehen,
  • großzügig und hilfsbereit zu sein, ohne dabei in die emotionale Aufopferung zu gehen.

Schließlich sind wir alle für unsere Handlungen selbst verantwortlich, sei es für unser Engagement und das Unterstützen der Teambildung oder unseren Rückzug in die Tote Zone. Tatsächlich haben wir immer eine Wahl, auch wenn wir uns das nicht immer eingestehen wollen.

Probieren Sie es doch einfach einmal aus. Über Ihr Feedback freue ich mich.

Ihr Donat Wollny

 

Wie das Bewusstsein für eine gute und kreative Zusammenarbeit im Team entwickelt werden kann, erfahren Sie hier.

 

Quellen

Boris Gloger, 2014, Selbstorganisation braucht Führung, ISBN: 978-3-446-43828-6

Chuck Spezzano, 2006, Der Tao-Index, ISBN: 978-3-570-50065-1

Daniel Goleman, 2000, EQ, Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 3-423-36020-8

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